An einem kalten Dienstag im Februar hieß es für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe am St.-Bernhard-Gymnasium im dritten und vierten Block: Der reguläre Unterricht entfällt.
Stattdessen lud das Beratungsteam in Kooperation mit der Polizei Viersen die Schülerschaft wie auch interessierte Lehrkräfte zur Teilnahme am „CrashKurs NRW“ im Forum ein.
Im Rahmen dieses Verkehrsunfallpräventionsprogramms kommen z.B. Mitwirkende der Feuerwehr, des Rettungsdienstes, der Notfallseelsorge sowie Notärztinnen und Notärzte, Polizistinnen und Polizisten als auch Unfallverursachende und Unfallopfer und deren Angehörige als Betroffene in Schulen im Kreis Viersen und berichten über die Ursachen sowie über die gravierenden Folgen erlebter Verkehrsunfälle. Sie erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen, wie sie ortsbezogene Unfälle erlebt haben, wie sie sich beispielsweise bei der Erstversorgung oder dem Überbringen einer Todesnachricht gefühlt haben.
Damit sprechen sie aktiv die Gefühle an und regen das Vorstellungsvermögen der jugendlichen Zuhörerinnen und Zuhörer an.
Eine Schülerin der EF berichtet:
„Im Crashkurs haben uns die lokale Polizei und fünf Akteure darüber aufgeklärt, wie häufig Verkehrsunfälle geschehen und wie gravierend ihre Auswirkungen sind. Wie uns mitgeteilt wurde, geschehen die meisten Unfälle bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Ich war erstaunt zu hören, aus welchen Gründen Unfälle passieren. Mir war nicht bewusst, dass Gründe wie das Nicht-Angurten, zu hektisches Fahren oder Fahren unter Alkoholeinfluss die Hauptursachen von Verkehrsunfällen sind und so viele Leben kosten.
Besonders die Geschichte des letzten Akteurs hat mich sehr mitgenommen. Er arbeitete beim Rettungsdienst und berichtete davon, dass er einmal die Aufgabe hatte, einer Familie mitzuteilen, dass der Familienvater und der älteste Sohn gemeinsam in einem Autounfall ums Leben gekommen waren. Er schilderte, dass er sich fühlte, als hätte er diese Familie zerstört, da er derjenige war, der in das Zuhause dieser Familie ging und ihnen mitteilte, dass zwei Familienmitglieder nie wieder nach Hause kommen würden. Als der Akteur verdeutlichte, dass nun nicht nur eine Mutter ihren Sohn und ihren Ehemann verloren hatte, sondern auch das jüngste Familienmitglied, der jüngste Sohn, seinen Vater und seinen großen Bruder, stand er den Tränen nahe.
Es hat mich bewegt, wie sehr selbst Personen, die direkt nichts mit den verstorbenen Personen zu tun haben, betroffen sind. Das hat mir verdeutlicht, wie weit sich der Schmerz über eine verstorbene Person ausdehnt und wie viele darunter leiden.
Auch das Ausmaß der langfristigen Folgen eines solchen Unfalls, wie sie an einem Beispiel verdeutlicht wurden, hat mich erstaunt. Dies hat mich auf jeden Fall schockiert und mir in Erinnerung gerufen, im Verkehr immer wachsam zu sein.
Abschließend kann ich sagen, dass der Crashkurs mir verdeutlicht hat, wie wichtig es ist, auf die Sicherheit im Verkehr zu achten, da doch teilweise kleine Unaufmerksamkeiten ein Leben kosten können, was unfassbar viel Leid mit sich bringt.“
Das Präventionsprogramm wurde vom Beratungsteam und den Stufenleitungen angekündigt, begleitet und systematisch nachbereitet. So standen einigen sehr betroffenen Schülerinnen und Schülern während der Veranstaltung unmittelbar eine Vielzahl an Gesprächspartnern zur Verfügung. Auch im Anschluss an die Veranstaltung blieb das Beratungsteam mit einigen Schülerinnen und Schülern im Gespräch.
Die Schülerinnen hielten in der Reflexion fest, was sie besonders berührte und woran sie sich erinnern möchten: siehe Foto
KG